16.04.2026
nn.de
Von Lara Feser
16.04.2026, 18:00 Uhr
Fürth - Die Egelseer Traktoren GmbH in Fürth befindet sich in einem vorläufigen Insolvenzverfahren, der Geschäftsbetrieb läuft vorerst aber weiter. Geschäftsführer Dietmar Helm, selbst Landwirt und in Fürth auch Dritter Bürgermeister, ordnet die Lage ein.
„Die Krise in der Branche ist einfach zu massiv“, sagt Dietmar Helm, Geschäftsführer der Egelseer Traktoren GmbH. Das Amtsgericht Fürth hat für das Traditionsunternehmen mit Sitz in Fürth-Burgfarrnbach ein vorläufiges Insolvenzverfahren angeordnet. Der Geschäftsbetrieb des Landtechnik-Unternehmens läuft jedoch uneingeschränkt weiter. Aktuell werden die Voraussetzungen für eine Sanierung und Neuaufstellung des Betriebs geprüft.
„Das war eine sehr überlegte Entscheidung“, sagt Helm auf Nachfrage unserer Redaktion. Hintergrund sei vor allem die angespannte Lage in der Landwirtschaft und im Zulieferbereich. Seit Monaten gehe die Nachfrage deutlich zurück. Viele landwirtschaftliche Betriebe hielten sich mit Investitionen zurück – auch wegen hoher Energie- und Betriebskosten. Diese Entwicklung treffe das Unternehmen direkt. Neben Service und Reparaturen ist Egelseer auch auf den Verkauf von Maschinen ausgerichtet. „Wenn das fast komplett wegbricht, ist das klar zu spüren“, so Helm. Die Werkstatt sei zwar gut ausgelastet, doch der fehlende Absatz belaste das Geschäft spürbar.
Für Kunden soll sich durch die vorläufige Insolvenzverwaltung zunächst nichts ändern. „Wir verkaufen, wir reparieren, wir betreuen unsere Kunden – es läuft alles weiter“, betont der Geschäftsführer. Authentizität sei für ihn entscheidend: „Das Vertrauen der Kunden behält man nur mit absoluter Transparenz.“
Aktuell beschäftigt das Unternehmen 27 Mitarbeiter. Deren Löhne und Gehälter sowie die Sozialabgaben seien laut Helm gesichert. Auch das sei ein Grund für den frühzeitigen Schritt gewesen. „Mir geht es da einfach auch um den Schutz der Mitarbeiter und dass alles vernünftig gemacht wird.“
Die vorläufige Insolvenzverwaltung ist auf drei Monate angelegt, in dieser Zeit wird intensiv nach Lösungen gesucht. Im Juli würde dann das reguläre Insolvenzverfahren eröffnet werden. Helm macht deutlich, dass eine Sanierung und Fortführung angestrebt wird. Zudem gebe es eine gute Perspektive durch Interesse eines Drittens, der mit einsteigen oder den Betrieb übernehmen könnte - Details dazu nennt er jedoch nicht.
Der vorläufige Insolvenzverwalter Joachim Exner sieht eine solide Ausgangslage. Der Geschäftsbetrieb sei stabil, es gebe „keine Störungen in den Leistungsbeziehungen“. Kunden, Lieferanten und Geschäftspartner arbeiten weiterhin normal mit dem Unternehmen zusammen. Ziel sei es, eine „konstruktive Lösung“ zu finden. Exner lobt zudem das Vorgehen der Geschäftsführung. Helm habe die Insolvenz „sehr vorausschauend und bedacht“ angemeldet. In den kommenden Wochen sollen mögliche Perspektiven konkretisiert werden.
Unabhängig von der wirtschaftlichen Lage seines Unternehmens sieht Dietmar Helm keine Auswirkungen auf sein politisches Amt als Dritter Bürgermeister in Fürth. „Ich habe das immer strikt getrennt und werde das auch weiterhin so halten“, sagt er.
Die Geschichte der Egelseer Traktoren GmbH reicht bis ins Jahr 1918 zurück, wie ihrer Homepage zu entnehmen ist. Damals wurde die Firma Franz Kraus mit Sitz in Fürth gegründet, sie war zunächst auf den Vertrieb und die Wartung von Schlüter Stationärmotoren spezialisiert, die in Sägewerken und Steinbrüchen zur Energieerzeugung eingesetzt wurden. Im Laufe der Jahre wurde das Produktprogramm durch Traktoren der Schlüter Werke in Freising ergänzt.
Michael Egelseer übernahm den Betrieb 1986 vom damaligen Eigentümer Heinz Bischoff, dem Schwiegersohn des Firmengründers. Nach dem Verkauf der Schlüter Traktorenwerke kam der gesamte Schlüter Ersatzteilbestand hinzu. 1992 begann Egelseer auch mit dem Vertrieb und Service der leistungsstarken Valtra Traktoren, die einen schnell wachsenden Kundenkreis hatten.
2002 wurde die Firma Egelseer Traktoren GmbH gegründet. Nach dem frühen Tod von Michael Egelseer 2010 führte zunächst Thorsten Baude die Geschäfte weiter. Später wurde das Produktsortiment um wichtige Premium-Marken erweitert, die Forstsparte wurde ausgebaut.